Golf Wettarten erklärt: Von der Siegwette bis Each-Way

Golf ist nicht Fußball. Kein 1X2, kein klarer Favorit mit einer Quote von 1,30, kein Ergebnis nach 90 Minuten. Ein Golfturnier dauert vier Tage, das Feld umfasst 120 bis 156 Spieler, und der Ausgang hängt von Variablen ab, die sich über 72 Löcher entfalten — Wind, Platzzustand, Tagesform, mentale Stärke auf den letzten drei Löchern am Sonntag. Genau diese Komplexität macht Golfwetten für analytisch denkende Tipper so reizvoll.
Die Vielfalt der Wettmärkte spiegelt diese Komplexität wider. Während ein Fußballspiel im Wesentlichen Sieg, Unentschieden, Niederlage und eine Handvoll Spezialmärkte bietet, eröffnet Golf ein ganzes Spektrum: von der klassischen Siegwette über Each-Way und Head-to-Head-Duelle bis hin zu Platzierungsmärkten, Spezialwetten und Live-Optionen während des laufenden Turniers. Dass das Interesse an diesen Märkten wächst, belegen die Zahlen: Der US-Anbieter BetMGM verzeichnete beim Masters 2024 einen Anstieg der Golfwetten um rund 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr — ein Trend, der auch in Europa spürbar ist.
Dieser Artikel führt durch sämtliche Wettarten im Golf, erklärt die Mechanik hinter jedem Markt, zeigt typische Fallstricke und ordnet ein, welche Wette sich für welchen Spielertyp und welches Turnier eignet. Von einfach bis komplex, von der ersten Outright-Wette bis zur taktischen Livewette am Cut-Freitag.
Siegwette (Outright Winner): Der Klassiker im Golfsport
Die Siegwette — im Englischen Outright oder Tournament Winner — ist die ursprünglichste Form der Golfwette und gleichzeitig die, die den Sport von fast allen anderen Sportarten unterscheidet. Man tippt auf den Spieler, der nach vier Runden die wenigsten Schläge benötigt hat. Klingt einfach. Ist es auch — bis man sich die Quoten ansieht.
Bei einem regulären PGA-Tour-Turnier mit 156 Startern bewegen sich die Quoten für den Favoriten typischerweise zwischen 8,00 und 12,00. Das bedeutet: Selbst der beste Spieler im Feld hat aus Sicht der Buchmacher nur eine implizite Gewinnwahrscheinlichkeit von acht bis zwölf Prozent. Zum Vergleich — beim Champions-League-Finale liegt die kürzeste Quote regelmäßig unter 2,00. Golf ist ein Sport der Unwahrscheinlichkeiten, und genau das macht die Siegwette so attraktiv: Die Quoten sind hoch, und ein einziger Treffer kann eine ganze Saison finanzieren.
Die Kehrseite: Die Trefferquote ist naturgemäß niedrig. Wer ausschließlich Siegwetten spielt, muss mit langen Durststrecken rechnen. Professionelle Golfwetter kalkulieren deshalb nicht mit der Frage „Gewinnt mein Spieler?“, sondern mit „Bietet die Quote einen Wert, der über der tatsächlichen Gewinnwahrscheinlichkeit liegt?“ Dieses Konzept — Value — ist bei Outright-Wetten entscheidend, weil kleine Quotenunterschiede bei hohen Auszahlungen große Auswirkungen haben.
Was bei der Siegwette zu beachten ist
Der Zeitpunkt der Wettabgabe spielt eine erhebliche Rolle. Ante-Post-Wetten — also Wetten, die vor Turnierbeginn platziert werden — bieten in der Regel bessere Quoten als Wetten am Donnerstagmorgen, weil die Buchmacher noch keine aktuellen Informationen über die Platzverhältnisse und die Form der Spieler eingepreist haben. Allerdings trägt man das Risiko eines Withdrawal: Startet der gewettete Spieler nicht, ist der Einsatz bei den meisten Anbietern verloren.
Ein weiterer Faktor ist die Feldgröße. Bei Major-Turnieren starten typischerweise weniger Spieler als bei regulären Events — beim Masters sind es nur rund 90 — was die Gewinnwahrscheinlichkeit für jeden Einzelnen erhöht. Die Quoten fallen entsprechend kürzer aus, aber die Trefferrate steigt. Der gesamte Prizefonds der PGA Tour lag 2025 bei 550,4 Millionen US-Dollar, was die Motivation der Spieler bei jedem Event unterstreicht — und damit die Intensität des Wettbewerbs, auf den man setzt.
Taktisch versierte Wetter verteilen ihre Outright-Einsätze auf mehrere Spieler statt alles auf einen Namen zu setzen. Drei Siegwetten zu je 5 Euro auf Spieler mit Quoten von 21,00, 34,00 und 51,00 kosten insgesamt 15 Euro und bieten drei unabhängige Gewinnchancen — statistisch eine klügere Verteilung als 15 Euro auf einen einzigen Spieler. Dieses Prinzip der Streuung ist bei Outright-Wetten kein optionales Extra, sondern eine Grundvoraussetzung für langfristigen Erfolg.
Each-Way-Wette: Zwei Chancen in einem Wettschein
Wer die Siegwette verstanden hat, erkennt schnell ihr größtes Problem: Man braucht den Turniersieg. Platz zwei bringt nichts, Platz fünf bringt nichts, und der Spieler, der drei Tage lang geführt hat und am Sonntag auf der 72 einen Dreiputter macht, ist aus Wettsicht genauso verloren wie der, der am Cut gescheitert ist. Die Each-Way-Wette löst dieses Problem — zumindest teilweise.
Eine Each-Way-Wette besteht aus zwei separaten Einsätzen: einer Siegwette und einer Platzwette. Setzt man 10 Euro Each-Way, zahlt man insgesamt 20 Euro — 10 Euro auf den Sieg und 10 Euro darauf, dass der Spieler eine bestimmte Platzierung erreicht. Die Platzierungsbedingungen legt der Buchmacher fest, typischerweise Top 5 oder Top 6 bei einem vollen Feld. Die Platzquote errechnet sich als Bruchteil der Siegquote — meist ein Viertel oder ein Fünftel.
Für Tipper, die ihr Risiko absichern möchten, ist die Each-Way-Wette beim Golf eine der effektivsten Methoden.
Rechenbeispiel
Ein Spieler steht bei einer Siegquote von 41,00. Die Each-Way-Bedingung lautet: ein Viertel der Quote, Top 5. Man setzt 10 Euro Each-Way, also 20 Euro gesamt.
Szenario 1 — der Spieler gewinnt das Turnier: Die Siegwette zahlt 10 Euro mal 41,00 = 410 Euro. Die Platzwette zahlt ebenfalls, weil der Sieger logischerweise in den Top 5 liegt: 10 Euro mal 10,25 (ein Viertel von 41,00) = 102,50 Euro. Gesamtauszahlung: 512,50 Euro bei 20 Euro Einsatz.
Szenario 2 — der Spieler wird Dritter: Die Siegwette ist verloren. Die Platzwette zahlt: 10 Euro mal 10,25 = 102,50 Euro. Bei 20 Euro Einsatz bleibt ein Nettogewinn von 82,50 Euro.
Szenario 3 — der Spieler wird 15.: Beide Wetten verloren. 20 Euro weg.
Wann Each-Way sinnvoll ist
Die Each-Way-Wette entfaltet ihren größten Wert bei Spielern mit hohen Quoten — ab etwa 26,00 aufwärts. Der Grund ist mathematisch: Bei einer Quote von 11,00 beträgt die Platzquote (bei 1/4) nur 2,75. Der Sicherheitspuffer, den die Platzwette bieten soll, ist dann minimal. Bei einer Quote von 51,00 liegt die Platzquote hingegen bei 12,75 — hier kann allein die Platzierung eine ordentliche Rendite liefern.
Ein häufiger Fehler von Einsteigern: Each-Way auf kurze Favoriten setzen. Wer den Turnierfavoriten bei einer Quote von 8,00 Each-Way spielt, erhält eine Platzquote von 2,00. Das ist kaum mehr als eine Absicherung des Einsatzes — und man zahlt den doppelten Stake dafür. In solchen Fällen ist eine reine Platzierungswette (Top 5 oder Top 10) häufig die bessere Wahl.
Each-Way-Wetten sind in Europa fest in der Golfwetten-Kultur verankert. Viele britische und irische Buchmacher bieten erweiterte Platzierungsbedingungen als Sonderaktion an — etwa „Top 8 statt Top 5“ beim Masters. Wer diese Aktionen systematisch nutzt, verschiebt die Mathematik zu seinen Gunsten.
Ein weiterer Aspekt, den erfahrene Tipper berücksichtigen: Die Each-Way-Bedingungen unterscheiden sich nicht nur zwischen Anbietern, sondern auch zwischen Turnieren. Bei einem Event mit reduziertem Feld — etwa den Signature Events der PGA Tour mit 70 bis 80 Startern — passen manche Buchmacher die Platzierungsbedingungen an und bieten nur Top 4 statt Top 5. Der Unterschied klingt marginal, verschiebt den erwarteten Return aber spürbar. Ein kurzer Blick auf die Bedingungen vor der Wettabgabe gehört zum Pflichtprogramm.
Head-to-Head: Das direkte Duell zweier Spieler
Die Head-to-Head-Wette reduziert die Komplexität eines 156-Spieler-Felds auf ein einziges Duell: Welcher von zwei Spielern erzielt nach dem Turnier (oder nach einer einzelnen Runde) die bessere Platzierung? Man muss keinen Sieger vorhersagen, keine Top-5-Platzierung treffen — nur entscheiden, wer von zwei Golfern besser abschneidet. Das macht H2H-Wetten zum zugänglichsten Markt für Einsteiger und gleichzeitig zu einem der analytisch ergiebigsten für erfahrene Tipper.
Die Quoten liegen typischerweise nahe an der 50:50-Marke, oft zwischen 1,80 und 2,10 für beide Seiten. Der Buchmacher paart in der Regel Spieler mit ähnlicher Weltranglistenposition oder ähnlichem Formstand, sodass ein echtes Duell entsteht. Die Marge ist bei H2H-Wetten tendenziell niedriger als bei Outright-Märkten, was sie für Wertspieler attraktiv macht.
Die Stärke der Statistik
Wo die Siegwette ein Stück Prognosekunst verlangt, lässt sich die Head-to-Head-Wette stärker durch Daten stützen. Scottie Scheffler etwa führte 2025 in 28 verschiedenen Statistikkategorien der PGA Tour — vom Scoring Average über Strokes Gained: Total bis hin zu Strokes Gained: Approach. Wenn ein Buchmacher Scheffler in einem H2H gegen einen Spieler paart, der in den relevanten Kategorien deutlich schwächer ist, wird der Quotenunterschied oft nicht groß genug ausfallen, um die tatsächliche Leistungsdifferenz abzubilden. Genau dort entstehen Value-Wetten.
Die entscheidenden Statistiken für H2H-Analyse hängen vom Turnierplatz ab. Auf einem Links-Kurs mit viel Wind zählt Driving Accuracy mehr als Driving Distance. Auf einem Par-72-Parkland-Kurs mit schnellen Grüns ist Strokes Gained: Putting oft der Differenzierungsfaktor. Wer Head-to-Head spielt, muss nicht das ganze Feld lesen — aber die beiden Spieler im Detail kennen.
Die Tücken: Withdrawal und Dead Heat
Die beiden größten Risiken bei H2H-Wetten sind der Withdrawal (WD) und der Dead Heat. Zieht ein Spieler vor oder während des Turniers zurück, gelten je nach Anbieter unterschiedliche Regeln: Manche erklären die Wette für ungültig, andere werten den verbliebenen Spieler als Gewinner — sofern dieser den Cut schafft. Wer H2H spielt, sollte die WD-Regeln seines Buchmachers kennen, bevor der erste Einsatz steht.
Der Dead Heat tritt ein, wenn beide Spieler exakt die gleiche Platzierung belegen. In diesem Fall wird der Gewinn halbiert: Man erhält die Hälfte der Auszahlung, die bei einem klaren Sieg fällig gewesen wäre. Bei Quoten nahe 2,00 bedeutet das effektiv einen kleinen Verlust — ein Detail, das viele Anfänger übersehen.
Trotz dieser Risiken bleibt die Head-to-Head-Wette für analytisch orientierte Golfwetter der bevorzugte Markt. Der Grund: Die Analyse reduziert sich auf einen direkten Vergleich zweier Profile — Stärken, Schwächen, Formkurve, Kurshistorie. Man muss nicht das gesamte Feld einschätzen, sondern nur zwei Spieler besser verstehen als der Buchmacher. Wer bereit ist, sich in die Statistiken zu vertiefen, findet hier den lohnendsten Einstieg ins Golfwetten.
Platzierungswetten: Top 5, Top 10, Top 20
Platzierungswetten sind der pragmatische Kompromiss zwischen der Siegwette und der Each-Way. Man tippt darauf, dass ein Spieler unter den besten 5, 10 oder 20 eines Turniers landet — ohne dass er gewinnen muss. Die Quoten fallen naturgemäß kürzer aus als bei einer Outright-Wette, aber die Trefferwahrscheinlichkeit steigt erheblich.
Die Quotenlogik folgt einem klaren Muster: Je breiter der Platzierungsbereich, desto niedriger die Quote. Eine Top-5-Wette auf einen Spieler mit einer Siegquote von 26,00 liegt oft im Bereich von 4,00 bis 5,00. Eine Top-20-Wette auf denselben Spieler bringt vielleicht nur 1,80 bis 2,20. Der Sweetspot für viele professionelle Golfwetter liegt im Top-10-Bereich: Die Quoten bieten noch genug Rendite, die Trefferrate erlaubt ein nachhaltiges Bankroll-Management.
Feldgröße als Faktor
Ein Detail, das Einsteiger häufig übersehen: Die Attraktivität einer Platzierungswette hängt direkt von der Feldgröße ab. Bei einem PGA-Tour-Event mit 156 Startern bedeutet eine Top-20-Platzierung, dass man unter den besten 13 Prozent landen muss. Beim Masters, wo nur rund 90 Spieler starten, verschiebt sich dieses Verhältnis auf über 22 Prozent. Dieselbe Wettart hat bei unterschiedlichen Turnieren also eine grundlegend andere Trefferwahrscheinlichkeit — und die Quoten reflektieren das nicht immer proportional.
Besonders interessant werden Platzierungswetten bei den sogenannten Signature Events der PGA Tour, die mit reduzierten Feldern von 70 bis 80 Spielern ausgetragen werden. Hier liegt die statistische Basiswahrscheinlichkeit für eine Top-20-Platzierung deutlich höher als bei einem Turnier mit vollem Feld, während die Quoten oft nur geringfügig niedriger angesetzt sind.
Wann Platzierungswetten besser sind als Each-Way
Die Entscheidung zwischen Platzierungswette und Each-Way lässt sich rechnerisch treffen. Wenn die Top-10-Quote eines Spielers bei 3,50 liegt und die Each-Way-Platzquote (bei Top-5-Bedingung, 1/4 der Siegquote) nur 2,50 beträgt, bietet die Platzierungswette bei einem breiteren Zielkorridor die bessere Rendite pro Euro Einsatz. Die Each-Way hat den Vorteil des Jackpots bei einem Turniersieg — die Platzierungswette den Vorteil der Konsistenz.
Spezialwetten: Hole-in-One, Cut und andere Exoten
Jenseits der klassischen Outright- und Platzierungsmärkte bietet Golf eine Reihe von Spezialwetten, die den Sport für Wetter noch facettenreicher machen. Diese Märkte erfordern zum Teil sehr spezifisches Wissen — und belohnen genau dafür.
Hole-in-One
Die wohl bekannteste Spezialwette im Golf: Wird es während des Turniers mindestens ein Hole-in-One geben? Die statistische Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Profi auf einem Par-3 ein Ass schlägt, liegt bei etwa 1:2.500 pro Loch. Bei einem Turnier mit 156 Spielern, vier Runden und typischerweise vier Par-3-Löchern pro Runde ergeben sich über 2.400 Versuche — was die Gesamtwahrscheinlichkeit für mindestens ein Hole-in-One auf rund 60 bis 70 Prozent hebt. Buchmacher setzen die „Ja“-Quote deshalb meist zwischen 1,50 und 1,80 an.
Die Quotenbewegung ist hier der Schlüssel. Manche Plätze — etwa das ikonische Par-3 Nr. 12 in Augusta — produzieren historisch mehr Aces als andere. Die Pin-Position am Turniertag, der Wind und die Grünhärte verschieben die Wahrscheinlichkeit zusätzlich. Wer die Platzverhältnisse kennt, kann einschätzen, ob die angebotene Quote den tatsächlichen Erwartungswert widerspiegelt.
Cut/No-Cut
Bei den meisten Profiturnieren wird nach zwei Runden ein Cut gemacht: Nur die besten 65 Spieler (plus Gleichplatzierte) spielen das Wochenende. Man kann darauf wetten, ob ein bestimmter Spieler den Cut schafft oder nicht. Dieser Markt ist besonders spannend bei Spielern in Formdellen oder bei Amateuren, die bei Majors per Sonderzulassung starten. Für den taktischen Wetter bietet „macht den Cut nicht“ auf einen überbewerteten Spieler manchmal erstaunlich gute Quoten.
Nationalitätenwetten und Gruppensieger
Welche Nation stellt den Sieger — USA, Europa oder Rest der Welt? Bei einem US-dominierten Feld auf der PGA Tour klingen die Quoten auf „USA“ zunächst unattraktiv. Doch bei der Open Championship, wo europäische und internationale Spieler stärker vertreten sind, verschieben sich die Verhältnisse.
Gruppensieger-Wetten funktionieren ähnlich wie Head-to-Head, aber mit drei bis fünf Spielern. Der Buchmacher fasst Spieler in eine Gruppe zusammen — oft nach Favoritenstatus oder Nationalität — und man tippt, wer innerhalb dieser Gruppe am besten abschneidet. Die Quoten liegen höher als bei H2H, das Risiko aber auch: Statt einem Gegner muss man zwei, drei oder vier Konkurrenten schlagen.
First-Round Leader und 18-Hole-Wetten
Wer wird nach der ersten Runde führen? Dieser Markt isoliert einen Teilaspekt des Turniers und macht ihn handelbar. Manche Spieler sind notorisch starke Starter — sie kommen mit wenig Druck besser zurecht, wenn die Leaderboards noch übersichtlich sind. Die Quoten auf den First-Round Leader ähneln denen einer Siegwette, weil auch hier das gesamte Feld als Gegner zählt. Strategisch interessant ist dieser Markt vor allem dann, wenn man einen Spieler identifiziert, der historisch starke erste Runden spielt, aber über vier Tage nicht die Konstanz für den Turniersieg aufbringt.
Livewetten beim Golf: Wetten während des Turniers
Livewetten beim Golf funktionieren grundlegend anders als in den meisten anderen Sportarten. Ein Tennismatch dauert vielleicht drei Stunden, ein Boxkampf zwölf Runden. Ein Golfturnier erstreckt sich über vier Tage mit jeweils acht bis zehn Stunden Spielbetrieb. Das eröffnet ein Zeitfenster für Live-Wetten, das in keiner anderen Sportart so breit ist — und gleichzeitig so voller taktischer Möglichkeiten.
Die verfügbaren Live-Märkte reichen von aktualisierten Siegquoten über Rundenwetten (wer spielt die beste Runde des Tages?) bis hin zu Loch-für-Loch-Wetten bei den Top-Flights am Wochenende. Die Quoten bewegen sich dabei dynamisch — ein Birdie am 12. Loch von Augusta kann die Siegquote eines Spielers innerhalb von Sekunden halbieren.
Der Cut als strategischer Wendepunkt
Der Freitagnachmittag eines Golfturniers ist für Live-Wetter der interessanteste Moment der gesamten Woche. Zu diesem Zeitpunkt sind zwei Runden gespielt, die Cut-Linie wird sichtbar, und das Feld wird dramatisch reduziert. Spieler, die den Cut sicher geschafft haben und im oberen Drittel des Leaderboards stehen, erhalten nun deutlich kürzere Quoten — logisch, weil die Hälfte der Konkurrenz nach Hause fährt. Aber: Die Quoten passen sich manchmal langsamer an als die tatsächliche Situation auf dem Platz. Wer das Leaderboard live verfolgt und schneller reagiert als der Algorithmus des Buchmachers, findet genau hier seine Gelegenheiten.
Einschränkungen im deutschen Markt
In Deutschland unterliegen Livewetten auf Sportereignisse besonderen regulatorischen Einschränkungen. Der Glücksspielstaatsvertrag (GlüStV 2021) erlaubt Live-Wetten grundsätzlich, schränkt aber die Wettarten während des Spiels ein — Kombinationswetten live sind nicht gestattet, und bestimmte Ereigniswetten innerhalb einer Partie können eingeschränkt sein. Diese Limitierungen sind ein wesentlicher Grund dafür, dass die Kanalisierungsrate des deutschen Sportwettenmarktes laut H2 Gambling Capital bei nur 60 Prozent liegt — verglichen mit 97 Prozent in Großbritannien. Spieler, die ein breiteres Live-Angebot suchen, weichen auf nicht-lizenzierte Anbieter aus, was aus Spielerschutzsicht problematisch ist.
Für Golf-Livewetten bedeutet das konkret: Der Markt bei GGL-lizenzierten Anbietern ist vorhanden, aber nicht so tief wie bei internationalen Buchmachern. Wer in Deutschland legal wettet, findet typischerweise aktualisierte Siegquoten und Platzierungswetten live, aber selten Loch-für-Loch-Märkte oder spezifische Rundenwetten in Echtzeit.
Der größte Vorteil von Livewetten gegenüber Pre-Tournament-Wetten liegt in der Informationsdichte. Vor dem Turnier basiert jede Prognose auf historischen Daten und Platzkenntnissen. Am Samstagmorgen hingegen kennt man den Platzzustand genau, weiß, wie sich der Wind entwickelt, hat die Scores der ersten beiden Runden gesehen und kann das Momentum einzelner Spieler einschätzen. Wer diese Informationen schneller und besser verarbeitet als der Markt, findet im Live-Bereich oft die besten Gelegenheiten — vorausgesetzt, der eigene Anbieter stellt die entsprechenden Märkte bereit.
Wettart und Strategie verbinden: Welche Wette passt wann?
Jede Wettart hat ihren Zweck und ihr Risiko — die Kunst liegt darin, die richtige Wette für die richtige Situation zu wählen. Kein erfahrener Golfwetter setzt ausschließlich Outright-Wetten, und kein kluger Tipper beschränkt sich auf Head-to-Head. Die Strategie entsteht aus der Kombination.
Turnierprofil bestimmt die Wettart
Bei einem Major-Turnier mit kleinerem, aber stärkerem Feld bieten Siegwetten kürzere Quoten, dafür trifft man häufiger. Each-Way verliert hier an Reiz, weil die Platzquoten zu niedrig werden. Stattdessen gewinnen Platzierungswetten (Top 10, Top 20) und Head-to-Head-Duelle an Attraktivität — man kann die hohe Dichte an Weltklassespielern nutzen, um fundierte Vergleiche anzustellen.
Bei einem regulären PGA-Tour-Event mit 156 Startern dreht sich das Bild. Die Siegquoten sind höher, Each-Way-Wetten werden mathematisch interessanter, und Platzierungswetten auf den Top-20-Bereich bieten wegen der Feldgröße solide Renditen bei vertretbarem Risiko. Spezialwetten wie Hole-in-One oder First-Round-Leader funktionieren hier ebenfalls gut, weil mehr Spieler und mehr Runden mehr statistische Gelegenheiten schaffen.
Bankroll und Risikoprofil
Die Wahl der Wettart sollte auch zum eigenen Bankroll-Management passen. Siegwetten sind hochvolatil — man braucht eine ausreichend große Bankroll, um Verlustserien auszusitzen. Die gängige Empfehlung: Nicht mehr als ein bis zwei Prozent der Bankroll auf eine einzelne Outright-Wette setzen. Head-to-Head und Platzierungswetten erlauben größere Einsätze pro Wette (drei bis fünf Prozent), weil die Varianz geringer ist.
Ein bewährtes Portfolio für eine Turnierwoche könnte so aussehen: eine oder zwei Siegwetten auf Spieler mit echtem Value, zwei bis drei Each-Way-Wetten auf Spieler im Quotenbereich 31,00 bis 71,00, dazu drei bis vier Head-to-Head-Wetten, die auf statistischer Analyse basieren. Die Gewichtung verschiebt sich je nach Turnier, Feld und den verfügbaren Quoten — aber das Grundprinzip der Diversifikation bleibt.
Josh Hodgson, COO von H2 Gambling Capital, fasst das Dilemma des deutschen Marktes treffend zusammen: „Restrictions are preventing the onshore to compete with its offshore counterparts.“ Für Golfwetter bedeutet das: Die Auswahl der Wettart hängt nicht nur von der sportlichen Analyse ab, sondern auch davon, welche Märkte der eigene Anbieter überhaupt im Portfolio hat. Wer bei einem GGL-lizenzierten Buchmacher spielt, findet Siegwetten, Each-Way, Head-to-Head und Platzierungswetten zuverlässig vor. Bei Spezialwetten und Live-Märkten variiert das Angebot stark — ein Vergleich mehrerer Anbieter lohnt sich gerade bei Golf mehr als bei Mainstream-Sportarten.
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